Berlins Geschichte besteht aus Bildern. Und die haben wir alle schon mal gesehen. Auch dieses Buch besteht zum größten – und wichtigeren – Teil aus Bildern, aber rund ein Drittel des Gezeigten war für den Rezensenten neu; das legendäre Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz durfte wieder einmal vorführen, welche Schätze es birgt. Großes Plus.
Die Texte kommen knapp und überwiegend auch anschaulich daher. Manchmal freilich zu knapp: Natürlich spielt Berlin in den 20er-Jahren als Weltort der Kunst und des gesellschaftlich Neuen eine wichtige Rolle. Nur gerät bei der hier gepflegten Konzentration das Bodenlose im Weimarer Staat – für das Berlin ebenfalls ein wichtiger Schauplatz war – aus dem Blick: Die Nazis kommen da plötzlich wie Fax aus der Kiste an die Macht. Und manchmal lässt leider auch die Anschaulichkeit zu wünschen übrig.
Eine konzise, anschauliche Geschichte der deutschen Hauptstadt hat gefehlt, der vorliegende Versuch ist – vor allem dank der Bildauswahl – geglückt.
Professor Dr. Julius H. Schoeps war von 1974 bis 1991 Direktor des Salomon Ludwig Steinheim-Instituts für deutsch-jüdische Geschichte an der Universität Duisburg. Seit 1991 war er Direktor des Moses Mendelsohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien an der Universität Potsdam.